Das Aventin-Schlüsselloch
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Geschichte
Der Boden, auf dem die Piazza heute liegt, hat eine lange institutionelle Vorgeschichte. Im 10. Jahrhundert stand hier eine befestigte Residenz des Adligen Alberich II., der Rom von 932 bis 954 faktisch beherrschte; später wurde daraus ein Benediktinerkloster, und bis zum 14. Jahrhundert ging der Besitz an die Malteserritter über, den Orden, der heute als Souveräner Malteserorden bekannt ist. Die Piazza selbst, Piazza dei Cavalieri di Malta, wurde 1765 von Giovanni Battista Piranesi angelegt, dem für seine Radierungen römischer Ruinen berühmten Künstler — eines von nur zwei architektonischen Projekten, die er je realisiert sah, zusammen mit der benachbarten Kirche Santa Maria del Priorato.
Piranesi füllte den Platz mit maritimer und funerärer Symbolik und verglich den Aventin mit einem Schiff, das zum Heiligen Land aufbricht: Obelisken als Masten, geschnitzte Motive als Takelage und Tauwerk. Am Ende des Gartenwegs zum Tor des Priorats ließ er die Hecken zu einem Tunnel schneiden und erzielte damit einen so präzisen "Teleskopeffekt", dass die Kuppel des Petersdoms, kilometerweit entfernt, beim Blick durchs Schlüsselloch perfekt eingerahmt erscheint.
Wussten Sie schon?
Der Ruhm des Schlüssellochs beruht auf mehr als nur einem architektonischen Glücksfall: Blickt man hindurch, verläuft die Sichtlinie angeblich durch drei souveräne Territorien zugleich. Der Garten im Vordergrund gehört zum exterritorialen Besitz der Malteserritter — ein Orden, der zwar kein besiedeltes Territorium regiert, völkerrechtlich aber als souveräne Einheit anerkannt ist, mit eigenen Pässen, Nummernschildern und Briefmarken. Der Mittelgrund, der Aventin selbst, ist gewöhnlicher italienischer Boden. Und die Kuppel, die im Hintergrund über den Dächern aufragt, steht bereits auf dem Gebiet der Vatikanstadt. Drei Länder, ein Schlüsselloch.
Eine kleine Tafel neben dem Tor macht das offiziell: "Sede Extraterritoriale" steht dort geschrieben — ein Hinweis darauf, dass der Gartenstreifen hinter der Tür rechtlich gar nicht zu Italien gehört. Diese Besonderheit geht auf die Lateranverträge von 1929 zurück, dieselben Abkommen, die auch die Vatikanstadt als unabhängigen Staat begründeten.
Gut zu wissen
Das Schlüsselloch ist kostenlos, unbewacht und im Grunde rund um die Uhr zugänglich, da es sich schlicht um das Tor einer öffentlichen Piazza handelt und nicht um einen kostenpflichtigen Ort. Früher Morgen und später Nachmittag bieten meist das schönste Licht für Fotos und die kürzesten Wartezeiten — an belebten Tagen bildet sich dennoch eine kleine, freundliche Schlange von Besuchern, die geduldig auf ihren Blick warten. Die Piazza selbst wirkt ansonsten eher unscheinbar, also am besten nach einer kleinen Menschentraube vor einer schlichten grünen Tür Ausschau halten — das ist das sichere Zeichen, am richtigen Ort zu sein.
Da die Handykamera im dunklen Heckentunnel oft Mühe hat scharfzustellen, gelingen die saubersten Aufnahmen meist, wenn man das Objektiv direkt an das Metall des Schlüssellochs hält, statt aus der Distanz zu fotografieren. Der Abstecher lässt sich gut mit einem fünfminütigen Spaziergang zum Giardino degli Aranci im Parco Savello verbinden, einer offenen Terrasse mit eigenem weitem Blick über Rom und den Tiber, sowie mit der benachbarten Basilika Santa Sabina, einer der besterhaltenen frühchristlichen Basiliken der Stadt aus dem 5. Jahrhundert.